Landesbildungsserver Baden-Württemberg Landesbildungsserver Baden-Württemberg Bildung st�rkt Menschen. Bildungsplan 2004

Grundschule

Das Neue im Bildungsplan für die Grundschule


Unterschiedlichkeit und Vielfalt als Chance ansehen und damit jedem Kind gerecht werden, das ist ein Kernanliegen der baden-württembergischen Grundschule. Die individuelle Förderung von Kindern - von lernschwach bis hochbegabt - zieht sich wie ein roter Faden durch die baden-württembergischen Reformprojekte der vergangenen Jahre. Schulanfang auf neuen Wegen, intensive Kooperation mit den Kindertageseinrichtungen, Fremdsprachen ab Klasse 1, verlässliche Grundschule mit der am Kind orientierten Rhythmisierung des Schulalltags sowie die Einführung von Diagnosearbeiten als Evaluierungsinstrument sind stark miteinander verwobene Elemente eines pädagogischen Gesamtpakets.Es orientiert sich am Entwicklungsstand und den individuellen Potenzialen der Kinder.




Kinder sind Entdecker, Erfinder, Künstler, Forscher und kleine Philosophen. Technik und Naturwissenschaft von Anfang an ist deshalb die Devise des neuen Fächerverbunds "Mensch, Natur und Kultur". Kreativität ist ein zweiter Schwerpunkt dieses Fächerverbunds, der Lust auf die Fragen des Lebens macht. Philosophieren gehört hier genauso dazu wie Neugierde auf technische Zusammenhänge. Der neue Fächerverbund eröffnet Chancen für einen anwendungs- und problemorientierten, aktiv-entdeckenden und kreativen Unterricht, der verlässliche Musikpflege als elementaren Bestandteil hat.

Der neue Fächerverbund "Mensch, Natur und Kultur" vernetzt den bisherigen Heimat- und Sachunterricht mit Musik, Bildender Kunst und Textilem Werken. Naturwissenschaftliche, technische und philosophische Zugangsweisen werden besonders berücksichtigt, Themen unter verschiedenen Perspektiven erarbeitet.




Aktiv-entdeckendes Lernen ist auch der Schlüssel für das Entfachen des mathematischen Feuers. Durch die Mathematik lernen Kinder die Geheimnisse besonderer Denkstrukturen, Gesetzmäßigkeiten und Strategien zum Problemlösen kennen.
Das Denken und Lernen von Vorschulkindern und Schulanfängern erfolgt durch handelnden Umgang mit Materialien der Umwelt oder durch Einsatz didaktisch ausgewählter Arbeitsmittel unter mathematischer Fragestellung. Im Laufe der Grundschulzeit befähigt der Mathematikunterricht die Kinder zum "Mathematisieren". Sie setzen sich mit Situationen ihrer Lebenswelt auseinander und finden darin authentische Fragen und Probleme, die mathematisch gelöst werden können.




Mathematik und Deutsch berühren sich. Sprechen, Schreiben, Lesen ist Programm des integrativen Deutschunterrichts. Lesepaten, Bibliotheksführerschein, verlässliche Vorlese- und Lesezeiten, verlässliche Schreib- und Erzählzeiten: Damit wird der neue Deutschunterricht umrissen, der die schöpferische Kraft der Kinder stärken soll.
Er geht von den Stärken und den Fähigkeiten der Kinder aus. Regelmäßige Lernstandsdiagnosen sind Ausgangspunkt für individuelle Förderpläne.
Die Bedeutung der Rechtschreibung wird verstärkt und der Fokus deutlicher auf den Prozess des Schriftspracherwerbs und die Hinführung zur normgerechten Schreibung gelegt.




Der Deutschunterricht sucht die Verbindung zu den Fremdsprachen Englisch und Französisch und den Herkunftssprachen der Kinder.

Die Grundschulfremdsprachen Englisch beziehungsweise Französisch, obligatorisch seit dem Schuljahr 2003/2004, zielen auf die Entwicklung einer Sprachlernkompetenz ab, die als Schlüsselqualifikation verstanden wird, Sprachen lebenslang erweitern und lernen zu wollen. Hierbei werden das natürliche Interesse und die Freude der Kinder an Sprache und Kommunikation aufgegriffen, Sprachlernstrategien entwickelt und ein Sprachbewusstsein für die Fremdsprache aufgebaut. Mit dem 3. Schuljahr wird der Fremdsprachenunterricht um einen neuen Aspekt erweitert. Die Kinder werden behutsam an das Lesen und Schreiben in der Fremdsprache herangeführt. Dennoch liegt der Schwerpunkt des Unterrichts weiterhin auf der Erlangung von Sprechkompetenz, Interaktionsfähigkeit und Sprachlernkompetenz.




Der Schulsport umfasst mehr als den herkömmlichen Sportunterricht. Das Fach "Sport" heißt deshalb künftig "Bewegung, Spiel und Sport". Damit wird ein deutliches Signal für eine bewegte Schule gesetzt, für die Bewegungszeiten im Klassenzimmer, für Aktivpausen, die damit so selbstverständlich werden sollen wie die Gestaltung des Schullebens insgesamt. Bewegung ist ein grundlegendes Prinzip jeglichen Lernens. Ein Grundschulkind erschließt sich über Bewegung und Wahrnehmung die Lebenswelt mit allen Sinnen. Nur so kann es Gelerntes tatsächlich verstehen. Bewegung ist deshalb auch ein Lern- und Unterrichtsprinzip für den Fächerverbund "Mensch, Natur und Kultur" und die Fächer Deutsch, Fremdsprache, Mathematik und Religion.




Im Mittelpunkt des Religionsunterrichts steht das Kind mit seiner Frage nach Gott. Kinder kommen mit je eigenem Vorwissen und Erfahrungen und werden wie in anderen Fächern Kompetenzen erwerben beziehungsweise ausbauen und festigen. Hinzu kommt die religiöse Kompetenz, wobei es hier nicht um Wissen und Können geht, sondern um Wahrnehmen, Staunen, Fragen, Verstehen, Achten. Sieben Dimensionen strukturieren den Bildungsplan. Sie dienen als didaktische Hilfe und gliedern den gesamten Unterricht. Kooperationsmöglichkeiten bestehen zwischen evangelischer und katholischer Religionslehre, darüber hinaus mit anderen Fächern sowie dem Fächerverbund "Mensch, Natur und Kultur".



Prinzipien der Unterrichtsgestaltung

Im Mittelpunkt des Unterrichts steht das Kind mit seinem eigenen Erleben, seiner Wahrnehmung und seinen Fragen. Es wird darin unterstützt, sich mit der Welt forschend und kreativ auseinanderzusetzen, sie zu erkunden und sich anzueignen. Der Unterricht geht weg von Belehrung und Arbeitsblattdidaktik. Die Arbeit in thematischen Einheiten stärkt die Teamfähigkeit und fördert die Ausbildung sozialer, personaler und methodischer Kompetenzen. Kinder lernen sich Informationen und Materialien selbst zu beschaffen und eigene Lernwege zu finden. Durch die Präsentation eigener Unterrichtsergebnisse werden Kreativität und Zuversicht in die eigenen Fähigkeiten gestärkt. Kinder haben die Möglichkeit, sich mit ihrer ganzen Persönlichkeit im Lernprozess darzustellen.

Der Fremdsprachenunterricht erfolgt in kindgemäß rhythmisierten Unterrichtssequenzen, in denen fächerübergreifende Aspekte Berücksichtigung finden. In einem auf Interaktion beruhenden Unterricht erfolgt ein kreativer Umgang mit der Fremdsprache. Das vom Kind selbst ausgehende sprachliche Reflexionsvermögen wird dabei angeregt und konstruktiv umgesetzt.



Leistungsmessung

Für jede Schülerin und jeden Schüler ist mindestens eine Projektpräsentation am Ende der Eingangsstufe und im ersten Halbjahr des 4. Schuljahres verbindlich. Dazu sind vielfältige Darstellungsformen möglich wie Lerntagebuch, mündliche Berichte, darstellendes Spiel, Ausstellungen und Aufführungen. Regelmäßige Lernstandsdiagnosen und kontinuierliche Beobachtung der Kinder zum Beispiel mit Hilfe von Beobachtungsbögen und die verbale Beschreibung der Kompetenzen stärkt die differenzierte Schülerbeurteilung ebenso wie die Analyse von Unterrichtseinheiten und führt bei regelmäßiger Durchführung zu Qualitätssicherung des Unterrichts.
Die Leistungen im Fächerverbund "Mensch, Natur und Kultur" werden im Schulbericht der Klassenstufe 1 und 2 verbal beschrieben. Im 3. und 4. Schuljahr wird eine Ziffernnote erteilt, die bei Bedarf verbal ergänzt wird. Die Gewichtung der einzelnen Unterrichtsanteile liegt in der Verantwortung der einzelnen Lehrkräfte.
Im Deutschunterricht ist am Ende von Klasse 2 und 4 mindestens eine verbindliche Buchpräsentation vorgesehen, die in die Deutschnote einfließt.
Ab Klasse 3 erhalten die Schülerinnen und Schüler in der Fremdsprache eine Note. Es werden jedoch keine schriftlichen Arbeiten im Sinne von Prüfungssituationen gefertigt. Die Notenfindung geschieht überwiegend durch die regelmäßige Beobachtung der Schülerleistung und der individuellen Lernfortschritte über das Schuljahr hinweg und ist vergleichbar mit der Gewinnung einer fundierten mündlichen Note in den anderen Fächern.



Auszüge aus dem Bildungsplan Grundschule 2004

Deutsch

Leitgedanken zum Kompetenzerwerb:

"Die wichtigste Aufgabe des Deutschunterrichts ist es, bei den Kindern Freude am Umgang mit Sprache zu wecken, zu steigern, sie zum Lesen und Schreiben zu motivieren und dafür zu sorgen, dass sie sich dabei von Anfang an als kompetent und erfolgreich erleben können. Nur so lässt sich eine lebenslange positive Lese- und Schreibhaltung aufbauen."

"Die Lesefähigkeit ist die wichtigste Kompetenz für selbstständiges Lernen sowohl im Deutschunterricht als auch in den anderen schulischen Fächern... Im Klassenzimmer muss deshalb eine Lesekultur entwickelt werden, die ein breites Bücherangebot für die unterschiedlichen Interessen der Mädchen und Jungen und Unterstützung für ihre unterschiedlichen Lesefähigkeiten bereit hält."

"Wichtigste Kooperationspartner sind die Eltern, die von der Schule bei der Schaffung eines lesefreundlichen Umfelds auch zu Hause unterstützt werden. Eltern, aber auch Senioren, ältere Schülerinnen und Schüler, Studierende und andere Personen können schulische Leseaktivitäten unterstützen, als Lesepaten, als Vorlesende, auch von Texten in anderen Sprachen."

Kompetenzen und Inhalte:

Klasse 2:
Schülerinnen und Schüler können
- beim Vorlesen aus Büchern zuhören
- Bücher lesen, die sie nach eigenen Interessen ausgewählt haben
- ein Kinderbuch vorstellen

Inhalte:
verlässliche Lesezeiten; Lesepaten; Buchvorstellungen (mindestens eine verbindliche Buchpräsentation)



Fremdsprachenunterricht (Englisch oder Französisch)

Beispiel: Sprachlernkompetenz/Lernstrategien

Klasse 2:
"Die Schülerinnen und Schüler sind durch den Versuch zu verstehen und Bedeutung zuzuweisen sensibilisiert für erste grundlegende Strategien in Bezug auf das Sprachsystem (wie das Aufbrechen und Kategorisieren auf Laut-, Wort-, und Satzebene, das Erkennen einfacher Strukturen und Muster in Gesprächen und Texten)."

Klasse 4:
"Die Schülerinnen kennen und nutzen grundlegende Strategien in Bezug auf das Sprachsystem wie das Aufbrechen und Kategorisieren auf Laut-, Wort-, und Satzebene, das Erkennen einfacher Strukturen und Muster in Gesprächen und Texten)."


Beispiel : Beherrschung der sprachlichen Mittel

Klasse 2:
"Die Schülerinnen und Schüler können Bezug nehmen, wobei das Gesagte ohne Berücksichtigung des Kontextes mehrdeutig und ungenau sein darf und Nachfragen erfordern darf."

Klasse 4:
"Die Schülerinnen und Schüler können Bezug nehmen, wobei das Gesagte in der Regel eindeutig ist und keine Verständnisnachfragen erforderlich macht."



Mathematik

Leitgedanken zum Kompetenzerwerb:

"Aufgabe des Mathematikunterrichts aller Schuljahre ist es, Schülerinnen und Schüler für den mathematischen Gehalt alltäglicher Situationen und alltäglicher Phänomene sensibel zu machen und sie zum Problemlösen mit mathematischen Mitteln anzuleiten."

"Schließlich ist es Aufgabe des Mathematikunterrichts der Grundschule, den Kindern Freude an mathematischem Lernen und Arbeiten durch eine motivierende, fordernde und fördernde Unterrichtskultur zu vermitteln".

Kompetenzen und Inhalte

Leitidee: Daten und Sachsituationen

Klasse 2
Schülerinnen und Schüler können Daten aus vereinfachten Darstellungen entnehmen und daraus Informationen und Schlüsse ziehen.


Klasse 4
Schülerinnen und Schüler können Daten aus unterschiedlichen Darstellungen entnehmen und daraus Informationen und Schlüsse ziehen.



Fächerverbund "Mensch, Natur und Kultur"

"Durch die Verbindung schulischen Lernens mit dem eigenen Handeln wird das Lernen persönlich bedeutsam und damit nachhaltig."

"Die integrative Ausrichtung des Fächerverbundes gibt Schülerinnen und Schülern die Chance, sich als Erfinder, Künstler, Musiker, Dichter, Schriftsteller, Entdecker, Forscher und Philosophen einzubringen. Die Neugierde der Schülerinnen und Schüler auf Naturphänomene und technische Zusammenhänge und die Freude am künstlerischen Gestalten sind Ausgangspunkte des Unterrichtens."

Beispiel: Kompetenzen und Inhalte

Klasse 2:
Die Schülerinnen und Schüler könne sich selbst, ihre Gefühle, ihre Körperlichkeit, körperliche Signale und Bedürfnisse wahrnehmen.

Klasse 4:
Die Schülerinnen und Schüler können sich selbst, ihre Körperlichkeit, ihre Geschlechtlichkeit und ihre Lebenswelt differenziert wahrnehmen und zunehmend


Download zum Thema

 

 Bildungsplan Grundschule.pdf

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