Grundschule
Das Neue im Bildungsplan für die Grundschule
Unterschiedlichkeit und Vielfalt als Chance ansehen und damit jedem Kind
gerecht werden, das ist ein Kernanliegen der baden-württembergischen
Grundschule. Die individuelle Förderung von Kindern - von lernschwach bis
hochbegabt - zieht sich wie ein roter Faden durch die
baden-württembergischen Reformprojekte der vergangenen Jahre. Schulanfang
auf neuen Wegen, intensive Kooperation mit den Kindertageseinrichtungen,
Fremdsprachen ab Klasse 1, verlässliche Grundschule mit der am Kind
orientierten Rhythmisierung des Schulalltags sowie die Einführung von
Diagnosearbeiten als Evaluierungsinstrument sind stark miteinander verwobene
Elemente eines pädagogischen Gesamtpakets.Es orientiert sich am
Entwicklungsstand und den individuellen Potenzialen der Kinder.
Kinder sind Entdecker, Erfinder, Künstler, Forscher und kleine
Philosophen. Technik und Naturwissenschaft von Anfang an ist deshalb die
Devise des neuen Fächerverbunds "Mensch, Natur und Kultur". Kreativität ist
ein zweiter Schwerpunkt dieses Fächerverbunds, der Lust auf die Fragen des
Lebens macht. Philosophieren gehört hier genauso dazu wie Neugierde auf
technische Zusammenhänge. Der neue Fächerverbund eröffnet Chancen für einen
anwendungs- und problemorientierten, aktiv-entdeckenden und kreativen
Unterricht, der verlässliche Musikpflege als elementaren Bestandteil
hat.
Der neue Fächerverbund "Mensch, Natur und Kultur" vernetzt den bisherigen
Heimat- und Sachunterricht mit Musik, Bildender Kunst und Textilem Werken.
Naturwissenschaftliche, technische und philosophische Zugangsweisen werden
besonders berücksichtigt, Themen unter verschiedenen Perspektiven
erarbeitet.
Aktiv-entdeckendes Lernen ist auch der Schlüssel für das Entfachen des
mathematischen Feuers. Durch die Mathematik lernen Kinder die Geheimnisse
besonderer Denkstrukturen, Gesetzmäßigkeiten und Strategien zum Problemlösen
kennen.
Das Denken und Lernen von Vorschulkindern und Schulanfängern erfolgt durch
handelnden Umgang mit Materialien der Umwelt oder durch Einsatz didaktisch
ausgewählter Arbeitsmittel unter mathematischer Fragestellung. Im Laufe der
Grundschulzeit befähigt der Mathematikunterricht die Kinder zum
"Mathematisieren". Sie setzen sich mit Situationen ihrer Lebenswelt
auseinander und finden darin authentische Fragen und Probleme, die
mathematisch gelöst werden können.
Mathematik und Deutsch berühren sich. Sprechen, Schreiben, Lesen ist
Programm des integrativen Deutschunterrichts. Lesepaten,
Bibliotheksführerschein, verlässliche Vorlese- und Lesezeiten, verlässliche
Schreib- und Erzählzeiten: Damit wird der neue Deutschunterricht umrissen,
der die schöpferische Kraft der Kinder stärken soll.
Er geht von den Stärken und den Fähigkeiten der Kinder aus. Regelmäßige
Lernstandsdiagnosen sind Ausgangspunkt für individuelle Förderpläne.
Die Bedeutung der Rechtschreibung wird verstärkt und der Fokus deutlicher
auf den Prozess des Schriftspracherwerbs und die Hinführung zur
normgerechten Schreibung gelegt.
Der Deutschunterricht sucht die Verbindung zu den Fremdsprachen Englisch
und Französisch und den Herkunftssprachen der Kinder.
Die Grundschulfremdsprachen Englisch beziehungsweise Französisch,
obligatorisch seit dem Schuljahr 2003/2004, zielen auf die Entwicklung einer
Sprachlernkompetenz ab, die als Schlüsselqualifikation verstanden wird,
Sprachen lebenslang erweitern und lernen zu wollen. Hierbei werden das
natürliche Interesse und die Freude der Kinder an Sprache und Kommunikation
aufgegriffen, Sprachlernstrategien entwickelt und ein Sprachbewusstsein für
die Fremdsprache aufgebaut. Mit dem 3. Schuljahr wird der
Fremdsprachenunterricht um einen neuen Aspekt erweitert. Die Kinder werden
behutsam an das Lesen und Schreiben in der Fremdsprache herangeführt.
Dennoch liegt der Schwerpunkt des Unterrichts weiterhin auf der Erlangung
von Sprechkompetenz, Interaktionsfähigkeit und Sprachlernkompetenz.
Der Schulsport umfasst mehr als den herkömmlichen Sportunterricht. Das Fach "Sport" heißt deshalb künftig "Bewegung, Spiel und Sport". Damit wird ein deutliches Signal für eine bewegte Schule gesetzt, für die Bewegungszeiten im Klassenzimmer, für Aktivpausen, die damit so selbstverständlich werden sollen wie die Gestaltung des Schullebens insgesamt. Bewegung ist ein grundlegendes Prinzip jeglichen Lernens. Ein Grundschulkind erschließt sich über Bewegung und Wahrnehmung die Lebenswelt mit allen Sinnen. Nur so kann es Gelerntes tatsächlich verstehen. Bewegung ist deshalb auch ein Lern- und Unterrichtsprinzip für den Fächerverbund "Mensch, Natur und Kultur" und die Fächer Deutsch, Fremdsprache, Mathematik und Religion.
Im Mittelpunkt des Religionsunterrichts steht das Kind mit seiner Frage nach Gott. Kinder kommen mit je eigenem Vorwissen und Erfahrungen und werden wie in anderen Fächern Kompetenzen erwerben beziehungsweise ausbauen und festigen. Hinzu kommt die religiöse Kompetenz, wobei es hier nicht um Wissen und Können geht, sondern um Wahrnehmen, Staunen, Fragen, Verstehen, Achten. Sieben Dimensionen strukturieren den Bildungsplan. Sie dienen als didaktische Hilfe und gliedern den gesamten Unterricht. Kooperationsmöglichkeiten bestehen zwischen evangelischer und katholischer Religionslehre, darüber hinaus mit anderen Fächern sowie dem Fächerverbund "Mensch, Natur und Kultur".
Prinzipien der Unterrichtsgestaltung
Im Mittelpunkt des Unterrichts steht das Kind mit seinem eigenen Erleben,
seiner Wahrnehmung und seinen Fragen. Es wird darin unterstützt, sich mit
der Welt forschend und kreativ auseinanderzusetzen, sie zu erkunden und sich
anzueignen. Der Unterricht geht weg von Belehrung und Arbeitsblattdidaktik.
Die Arbeit in thematischen Einheiten stärkt die Teamfähigkeit und fördert
die Ausbildung sozialer, personaler und methodischer Kompetenzen. Kinder
lernen sich Informationen und Materialien selbst zu beschaffen und eigene
Lernwege zu finden. Durch die Präsentation eigener Unterrichtsergebnisse
werden Kreativität und Zuversicht in die eigenen Fähigkeiten gestärkt.
Kinder haben die Möglichkeit, sich mit ihrer ganzen Persönlichkeit im
Lernprozess darzustellen.
Der Fremdsprachenunterricht erfolgt in kindgemäß rhythmisierten
Unterrichtssequenzen, in denen fächerübergreifende Aspekte Berücksichtigung
finden. In einem auf Interaktion beruhenden Unterricht erfolgt ein kreativer
Umgang mit der Fremdsprache. Das vom Kind selbst ausgehende sprachliche
Reflexionsvermögen wird dabei angeregt und konstruktiv umgesetzt.
Leistungsmessung
Für jede Schülerin und jeden Schüler ist mindestens eine
Projektpräsentation am Ende der Eingangsstufe und im ersten Halbjahr des 4.
Schuljahres verbindlich. Dazu sind vielfältige Darstellungsformen möglich
wie Lerntagebuch, mündliche Berichte, darstellendes Spiel, Ausstellungen und
Aufführungen. Regelmäßige Lernstandsdiagnosen und kontinuierliche
Beobachtung der Kinder zum Beispiel mit Hilfe von Beobachtungsbögen und die
verbale Beschreibung der Kompetenzen stärkt die differenzierte
Schülerbeurteilung ebenso wie die Analyse von Unterrichtseinheiten und führt
bei regelmäßiger Durchführung zu Qualitätssicherung des Unterrichts.
Die Leistungen im Fächerverbund "Mensch, Natur und Kultur" werden im
Schulbericht der Klassenstufe 1 und 2 verbal beschrieben. Im 3. und 4.
Schuljahr wird eine Ziffernnote erteilt, die bei Bedarf verbal ergänzt wird.
Die Gewichtung der einzelnen Unterrichtsanteile liegt in der Verantwortung
der einzelnen Lehrkräfte.
Im Deutschunterricht ist am Ende von Klasse 2 und 4 mindestens eine
verbindliche Buchpräsentation vorgesehen, die in die Deutschnote
einfließt.
Ab Klasse 3 erhalten die Schülerinnen und Schüler in der Fremdsprache eine
Note. Es werden jedoch keine schriftlichen Arbeiten im Sinne von
Prüfungssituationen gefertigt. Die Notenfindung geschieht überwiegend durch
die regelmäßige Beobachtung der Schülerleistung und der individuellen
Lernfortschritte über das Schuljahr hinweg und ist vergleichbar mit der
Gewinnung einer fundierten mündlichen Note in den anderen Fächern.
Auszüge aus dem Bildungsplan Grundschule 2004
Deutsch
Leitgedanken zum Kompetenzerwerb:
"Die wichtigste Aufgabe des Deutschunterrichts ist es, bei den Kindern
Freude am Umgang mit Sprache zu wecken, zu steigern, sie zum Lesen und
Schreiben zu motivieren und dafür zu sorgen, dass sie sich dabei von Anfang
an als kompetent und erfolgreich erleben können. Nur so lässt sich eine
lebenslange positive Lese- und Schreibhaltung aufbauen."
"Die Lesefähigkeit ist die wichtigste Kompetenz für selbstständiges Lernen
sowohl im Deutschunterricht als auch in den anderen schulischen Fächern...
Im Klassenzimmer muss deshalb eine Lesekultur entwickelt werden, die ein
breites Bücherangebot für die unterschiedlichen Interessen der Mädchen und
Jungen und Unterstützung für ihre unterschiedlichen Lesefähigkeiten bereit
hält."
"Wichtigste Kooperationspartner sind die Eltern, die von der Schule bei der
Schaffung eines lesefreundlichen Umfelds auch zu Hause unterstützt werden.
Eltern, aber auch Senioren, ältere Schülerinnen und Schüler, Studierende und
andere Personen können schulische Leseaktivitäten unterstützen, als
Lesepaten, als Vorlesende, auch von Texten in anderen Sprachen."
Kompetenzen und Inhalte:
Klasse 2:
Schülerinnen und Schüler können
- beim Vorlesen aus Büchern zuhören
- Bücher lesen, die sie nach eigenen Interessen ausgewählt haben
- ein Kinderbuch vorstellen
Inhalte:
verlässliche Lesezeiten; Lesepaten; Buchvorstellungen (mindestens eine
verbindliche Buchpräsentation)
Fremdsprachenunterricht (Englisch oder Französisch)
Beispiel: Sprachlernkompetenz/Lernstrategien
Klasse 2:
"Die Schülerinnen und Schüler sind durch den Versuch zu verstehen und
Bedeutung zuzuweisen sensibilisiert für erste grundlegende Strategien in
Bezug auf das Sprachsystem (wie das Aufbrechen und Kategorisieren auf Laut-,
Wort-, und Satzebene, das Erkennen einfacher Strukturen und Muster in
Gesprächen und Texten)."
Klasse 4:
"Die Schülerinnen kennen und nutzen grundlegende Strategien in Bezug auf das
Sprachsystem wie das Aufbrechen und Kategorisieren auf Laut-, Wort-, und
Satzebene, das Erkennen einfacher Strukturen und Muster in Gesprächen und
Texten)."
Beispiel : Beherrschung der sprachlichen Mittel
Klasse 2:
"Die Schülerinnen und Schüler können Bezug nehmen, wobei das Gesagte ohne
Berücksichtigung des Kontextes mehrdeutig und ungenau sein darf und
Nachfragen erfordern darf."
Klasse 4:
"Die Schülerinnen und Schüler können Bezug nehmen, wobei das Gesagte in der
Regel eindeutig ist und keine Verständnisnachfragen erforderlich macht."
Mathematik
Leitgedanken zum Kompetenzerwerb:
"Aufgabe des Mathematikunterrichts aller Schuljahre ist es, Schülerinnen und
Schüler für den mathematischen Gehalt alltäglicher Situationen und
alltäglicher Phänomene sensibel zu machen und sie zum Problemlösen mit
mathematischen Mitteln anzuleiten."
"Schließlich ist es Aufgabe des Mathematikunterrichts der Grundschule, den
Kindern Freude an mathematischem Lernen und Arbeiten durch eine
motivierende, fordernde und fördernde Unterrichtskultur zu
vermitteln".
Kompetenzen und Inhalte
Leitidee: Daten und Sachsituationen
Klasse 2
Schülerinnen und Schüler können Daten aus vereinfachten Darstellungen
entnehmen und daraus Informationen und Schlüsse ziehen.
Klasse 4
Schülerinnen und Schüler können Daten aus unterschiedlichen Darstellungen
entnehmen und daraus Informationen und Schlüsse ziehen.
Fächerverbund "Mensch, Natur und Kultur"
"Durch die Verbindung schulischen Lernens mit dem eigenen Handeln wird
das Lernen persönlich bedeutsam und damit nachhaltig."
"Die integrative Ausrichtung des Fächerverbundes gibt Schülerinnen und
Schülern die Chance, sich als Erfinder, Künstler, Musiker, Dichter,
Schriftsteller, Entdecker, Forscher und Philosophen einzubringen. Die
Neugierde der Schülerinnen und Schüler auf Naturphänomene und technische
Zusammenhänge und die Freude am künstlerischen Gestalten sind Ausgangspunkte
des Unterrichtens."
Beispiel: Kompetenzen und Inhalte
Klasse 2:
Die Schülerinnen und Schüler könne sich selbst, ihre Gefühle, ihre
Körperlichkeit, körperliche Signale und Bedürfnisse wahrnehmen.
Klasse 4:
Die Schülerinnen und Schüler können sich selbst, ihre Körperlichkeit, ihre
Geschlechtlichkeit und ihre Lebenswelt differenziert wahrnehmen und
zunehmend
Download zum Thema

Der Bildungsplan kurz vorgestellt
Grundschule
Hauptschule/Werkrealschule
Bildungsplan
Grundschule.pdf



